Monthly Archive for August, 2007

Ein Trag

Da ich gerade Zeit habe und nicht‘s aufregendes zu schreiben habe, schreibe ich trotzdem einfach drauf los:
Wer mein Blog etwas verfolgt hat, kennt sich nun aus dem Mustering, Draften und mit der Weiterverarbeitung der Tiere. Ich hätte nicht gedacht, daß es noch eine weitere Stufe dieser schweißtreibenden Arbeit gibt:
Es gibt Gebiete hier auf der Station, welche nicht zum Treiben Richtung Farmhaus geeignet sind. Es handelt sich um ein Geflecht von Tälern, welche ca. 30 Kilometer weit entfernt sind. Diese Strecke ist zwar für Rinder machbar – aber da viele nach dem Sortieren wieder zurück in den Bush gehen, lohnt es sich einfach nicht sie dem langen Weg in der Hitze auszusetzen.
Was macht man also? Man lädt ca. 7 Tonnen Gitter, Gatter, Schrauben, Eisendraht, Stahlpannele und weitere Heavyduty-Artikel auf einen Truck und fährt die 30 Kilometer in den Bush und baut dort den „portable yard“ auf. Also das Gitterlabyrinth, welches das herangetriebene Vieh einzäunt und durch viele kleine Abteilungen sortieren lässt.

2 Tage haben wir den LKW beladen und sind gestern losgefahren. Mitten in der Mitte des Nichts platzte uns natürlich ein Reifen. Reifenwechsel am Hang mit kreisenden Geiern über unseren Köpfen. Nach 3 Stunden Dirtroad waren wir am Ziel und haben ersteinmal unsere Wasserflaschen geplündert.
Also mit 4 Mann 7 Tonnen Stahl (herrlich) entladen und das Gittergeflecht aufgebaut. Ich war kurz vor einem körperlichen Zusammenbruch … da meinte Franz: Zum Glück ist es heute nicht so heiß. „You don‘t want to do that in the wetseason“ Ach ja?

Mit Krummen Rücken und verstaubter Lunge kehrten wir mit den letzten Sonnenstrahlen heim. Ein eiskaltes Hopfen-Malzgetränk erweckte uns wieder zum Leben. Hart aber herrlich!

Garnicht so herrlich war mein kleiner unfreiwilliger Badeausflug im Victoria River:
Letzten Sonntag sind wir alle mit dem Boot auf den großen „Vic“ zum Angeln gefahren. Die Ebbe hat uns etwas überrascht – so saßen wir plötzlich auf einem Steinbett fest. Trevor und ich sind also raus aus dem Boot (Hüfttief im Wasser) und haben versucht das Boot wieder freizubekommen. Marlee stand oben mit ihrer 45er Magnum im Anschlag und hielt Ausschau nach Krokodilen! Trevor meinte nur: „If a crock gets me – don‘t shoot the crock – shoot me!“
Das Tierreich hat uns verschont und wir sind freigekommen!
Unsere andere Option wäre folgende gewesen: Eine kalte Nacht mit den 2 Kindern mitten im Vic auf einer Steinbank im Flachwasser zu warten, bis die Flut wieder zurückkommt. Bei der Rückfahrt sind wir dann nochmal mit voller Wucht auf ein Steinhaufen gefahren – die verdammte Trägheit war mein Feind und warf mich frontüber über‘s Boot … eine kleine Kamera und ich gingen baden.
Später wurde mir bestätigt, daß ich der erste war, der jemals dort in dem großen Fluß baden ging. Man hätte noch nie jemanden so schnell wieder in‘s Boot klettern sehen wie mich. Adrenalin seit dank!
Kamera kaputt – ich nicht … ein guter Deal!

Wenn Fliegen crashen

Heute ist leider das passiert, was allen Piloten hier draußen Angst macht: Franz ist mit seinem Hubschrauber abgestürtzt – but he walked away … ihm und den Passagieren ist zum Glück nichts passiert.

Er hat einen Charterflug angenommen und ist nach Port Keaten geflogen. Dort hat er 2 Aboriginals mit an Bord genommen, welche ihr Land aus der Luft erkunden wollten.
Mitten im Outback brach plötzlich der kleine hinten sitzende Heckrotor – das Schlimmste, was einem Hubschrauber passieren kann. Da die Maschine nun mehr keinen Ausgleich zur Drehbewegung der großen Rotorblätter hat, fängt der Heli sich an um seine eigene Achse zu drehen. Mit Mühe und Not konnte Franz den sich sehr schnell und unkontrollierbar drehenden Heli aus einer Höhe von ca. 50 Metern gen Boden steuern. Bei der sehr harten Landung brach der Schrauber auseinander und sägte durch seine Drehbewegung noch eine Menge Bäume in seiner Reichweite ab!
Zum Glück ist den 3en nichts passiert. Durch das Satelitentelefon kommte er seine GPS-Daten durchgeben und wurde später von Rangern aufgesammelt. Der 2 Aboriginals haben noch ein Foto gemacht: Alle vor dem Wrack mit „thumbs up“ und sind dann plötzlich in den Busch gelaufen und nicht mehr zurückgekommen. Buschmänner halt :-)

Nun liegt der Heli mitten im Outback weit weg von Menschen und Straßen. Er wird in den nächsten Tagen mit einem anderen Hubschrauber herausgehoben und entweder wieder zusammengeschraubt oder verwertet – das entscheidet die Versicherung!

Da der Hubschrauber hier auf der Station eins der wichtigsten Geräte ist, haben wir 2 Tage später einen neuen temporär angemietet, damit die Arbeit weitergehen kann und die Touristen ihre „Chopperflights“ bekommen können.

Bruch eines Heckrotors ist so ziemlich das Seltenste, was einem Hubschrauberpiloten passieren kann. Gleichzusetzen mit Motorexplosion im Auto. Und aber auch das Schlimmste. Selbst wenn der Motor des Heli ausfallen würde, kann man (wenn genug Höhe vorhanden ist) mit dem Hubschrauber steuerbar segeln. Man würde auf jeden Fall heile und ohne große Beschädigungen landen können. RQunter kommen sie alle! Ich bin selbst noch einen Tag vorher mit dem guten Stück mitgeflogen.

Heliflug ins Nowhereland

Ein englisches Ehepaar hatte einen Chopperflug gebucht und den letzten freien Platz durfte ich besetzen -> www.bildervomnikolaus.de
Also ging es früh morgens los. Im Tiefflug den sich in den Fels fressenden Bullo River hoch bis zu einem Wasserfall, der als Landebasis diente. Nach einem kleinen Snack ging es weiter über die Grenzen des Properties hinaus. Das Land zwischen der Station und dem Ozean gehört der Regierung. Also im Prinzip Niemansland. Die Regierung hat kein Interesse an dem Land und es wird sich selbst überlassen.
Per Zufall hatten Marlee und Franz vor ca. 3 Monaten dort eine eigenartige Felsformation vom Hubschrauber aus gesehen und sind dort gelandet … und siehe da: eine aboriginale Stätte mit Felsmalereien und Hölen. Selbst Pfeilspitzen haben sie dort gefunden. Hier draußen gibt es noch sehr viele solcher Stätten. Da aber noch nie ein Weißer hier draußen gewesen ist, ist (und bleibt) es ein Geheimnis!

Ca. 20 Minuten Flug von der Staion aus gibt es mitten in dieser staubtrockenen Landschaft eine kleine Oase: Mitten in einem tiefen Canyon hat ein Fluß sich seinen Weg gegraben und viele kleine Wasserfälle und Wasserpools erschaffen. Kaltes klares Felswasser strömt über unzählbare Fälle gen Tal … und alles KrokodilFrei (Crocfree)! Zu allem paradieschischen Überfluss läd ein ein feiner weißer Sandstrand zum Übernachten ein.

Man kann als Gast hier nächtigen: Man wird mit dem Hubschrauber abgesetzt, einer großen Kiste Vorräten, einem Satelitentelefon für den Notfall und kann die Nacht am Strand in der Wüste neben Wasserfällen schlafen. Kostet ein Vermögen – ist aber einzigartig. Wird von Honeymoon-couples bevorzugt!

Wir waren ca. 5 Stunden unterwegs, sind viel geflogen …. und ich glaube, dieser Scenic Flight kostet um die 900 Dollaren pro Person. So habe ich meinen freien Tag genutzt. Zuckerbrot!