… weiss war nur der Sand, durch den ich am 24. Dezember 2007 schritt. Ich hatte Weihnachten in einem kleine Ort Namens Guilderton verbracht. Dort stand ich auf einer Klippe, und sah über den indischen Ozean.
Unter mir konnte ich perfekt die Weihnachtsrituale der Australier studieren. Auf jeden Fall braucht man: Eine Angel, Bier und einen Geländewagen. Ab Nachmittags dem 24. war der ganze Starnd voller biertrinkender, angelnder, 4WDfahrender Australier-… Na dann mal tau!
Monthly Archive for Dezember, 2007
Frohe Weihnachten – das sag‘ ich Euch. Die Australier versuchen auf Ihre Art und Weise es sich weihnachtlich zu machen: Termitenhügel mit Weihnachtsmann-Mützen, Lametta an und in den Autos und Angestellte, ob in Supermärkten oder im Fish ‘n Chips-Läden, tragen „Merry Christmas-Mützen oder blöde Cappies mit Geweihen daran befestigt. Manche haben sich die Mühe gemacht als Weihnachtsmann verkleidete Schaufensterpuppen vor ihre Läden auf den Bürgersteig zu stellen und diese mit verzerrter Weihnachtsmusik zu beschallen. Da wird‘s besinnlich – da wird‘s heimisch. Andere Länder, andere Wetter und andere Sitten. Und Weihnachten wird, wie the United States of A, morgens am 25. gefeiert!
Ich werde Weihnachten wohl propper verschlafen – mal sehen, wo ich sein werde.
Ich stehe gerade am 7 Miles Beach ca. 70 Kilometer südlich von Geraldton. Nach verlassen der sogenannten “Coral Coast„ ist die Küste wieder rauher und steiniger geworden. Es gibt hier so gut wie keine schönen Korallenriffe – meine Schorchelausrüstung kann ich also getrost versenken. Entweder trifft harscher Sandstein oder Wüstenbusch auf‘s Meer.
Wie man ja auf dem letzten Bild sehen kann, fängt auch nun das Surferrevier an – das Riff ist zu Ende und die Wellen können ungehindert über die Küste herfallen.
Gestern Nachmittag kam ich über den Hügel und erwartete einen kleinen ungestörten BeachCampSpot … was sah‘ ich? Bestimmt 50 Windsurfer und 5 Kitesurfer! Ich bin auf einen Surfcamp gestossen, welches schon seit Jahren unter Windjunkies ein Geheimtipp ist. Angeblich hat Björn Dunkerbeck (die deutsche (?) Surfantwort auf Robby Naish) dort schon einige Zeit zum Trainieren verbracht. Der CampingPlatz platzte aus allen Nähten.
Und die 5 Kiter kamen natürlich … … aus Deutschland! Sind die deutschen (oder holländischen) Strände zu voll, wird halt in Australien gekitet. Habe natürlich KiteKlönSnack betrieben. Am Ende des Tages habe ich (aus reinem Selbstschutz) mit meinen Scherenhänden meine Kreditkarte durchgeschnitten und sperren lassen – sonst hätte ich mir am nächsten Tag in Geraldton, wie ein wahnsinniger ohne Sinn und Verstand, eine Ausrüstung zusammengekauft. But my time will come!
In Geraldton war ich dann aber doch in einem Surfshop – aber nur zum Gucken. Kitesurfen ist hier in Australien nicht so weit verbreitet wie in Europa. “Es hat hier so viel Wind„ , daß eher gesurft wird. Kitesurfen ist erst langsam im Kommen.
Also – dann man frohe Weihnacht mit allem Drum und Dran.
Pfeffernuss und Tannenbaum!
In Karratha habe ich Michael, den Ex-Soldaten wiedergetroffen.
Wir sind zusammen fischen gegangen: Eine Rolle mit Leine, Blei und Haken. Als Köder benutzen wir einen zerschnittenen Hai, der frisch an Land gespült wurde. Michaels Leine wurde 2 mal hintereinander von einem „Riesenbiest“ durchtrennt. Am Ende des Tages sind wir dann aber doch leer ausgegangen. Dem Petri sei gedankt!
Auch Karratha ist abhängig von Großkonzernen, die Salz abbauen (Verdunstung von Meerwasser) und von der Gasgewinnung an Land und vor der Küste. Diese Orte sind nicht besonders sehenswert – sie dienen nur dem einen Zwecke: Den Weltmarkt (zur Zeit zum größten Teil Asien) zu bedienen.
Man stelle sich vor: Man steht an einem herrlichsten Sandstrand und angelt (to wetten a line) … und im Hintergrund rumort und summt eine riesige Raffinerie und speit ab und zu heiße Feuerwolken aus ihren Türmen in den blauen Himmel … Industrieromantik!
Mein nächstes Ziel war (und ist) das Ningaloo Reef. Ein Nationalpark, der sich von Exmouth aus an der Westküste herunterzieht. Ich war gespannt.
Dort solle man angeblich vom Strand aus schnorcheln können, paradiesische Strände und Riffen, Haie und Schildkröten und anderen Meeresbewohner in Unmengen. Ich habe mir also eine kleine Schnorchelausrüstung zugelegt und mich überraschen lassen.
Bis auf Haie habe ich alles gesehen. Ich bin über Oysterbänke und knallbunten Korallenflächen geschwebt, habe viel Salzwasser geschluckt und mir den Rücken beim Schnorcheln verbrannt!
Beim Überfliegen der unrealistisch bunten Unterwasserwelt habe ich mich an folgendes moderne Märchen erinnern können: Der ehemalige Sänger der Gruppe „The Shamen“ ist angeblich auf LSD schnorcheln gegangen und ist nie weider aufgetaucht – einfach in den Untiefen der knallig farbenfohen Welt untergegangen.
Das Vorgelagerte und höhergelegene Riff vor der Küste hält die Brandung ab. Dafür ist das Wasser zwischen dem Riff und der Küste sehr klar, ruhig und herrlich türkis. Selbst meine Kamera kann die eigentlich unrealistischen Farben nicht genau wiedergeben. Dort kommt RGB an seine Grenzen!
Auf der einen Seite bietet der Park die Korallenattraktion – Inlands kann man wandern gehen. Gestern war Wandertag! Ich habe 2 Canyons bewandert und fühle mich auch nun wieder bewandert. Selbst hoch oben in den Hügeln findet man Unmengen an Muscheln und Zeichen des Meeres. Hier ist viel passiert in alten vergessenen Zeiten! Da auch hier die Saison eigentlich zu ende ist, sind nur wenige Besucher im Park. Ab und zu kommen Busse mit Touristen aus Exmouth, steigen aus, schießen sich die Finger mit Kleinstknipsen wund und verschwinden wiedermal bald! Ich habe mich gestern mit jemandem unterhalten, der auch kritisierte, dass zu viele Leute zu kurz hier verweilen. Man muss zwischen den Zeilen sehen, sich Zeit lassen!
Und dann das: Über einer Düne habe ich vorgestern einen Kitesurfkite in die Höhe sausen sehen. Mein Magen verkrampfte sich und ich bereute es zutiefst meine Kitesachen nicht mitgenommen zu haben. Ich bin dem Flattern des Tuchs hinterhergewandert und habe dort (wie kann es auch anders sein) 2 Deutsche aus Bremen getroffen. Ein Paar, das eine 3-monatige Kitereise durch Australien macht. Dieser Park ist ein offizieller Kitespot – leider war der Wind vorgestern nicht genug. Die ganzen anderen tage sind sie aber über und durch die Buchten gesaust und haben sich ausgetobt. Hier findet man wirklich Spot an Spot – einer perfekter als der Andere. Und, das haben mir die Bremer auch bestätigt, Kiten ist hier noch nicht ganz so verbreitet wie in Europa. Bzw. es verläuft sich mehr. Man kann ja im Prinzip überall Kiten!
Ich bin nun seit 3 Tagen hier und werde noch eine Nacht bleiben mein nächstes Ziel ist und wird Coral Bay sein … mal sehen, ob der Name seiner würdig ist!
Gut dem Dinge!
Nachtrag:
Soeben komme ich von einem langen Spaziergang am Meer zurück … folgendes hatte sich zugetragen:
Ich schlenderte durch‘s kühle Nass, da kamen drei Rochen aus dem Unterwasser („Unterholz“ passt hier weniger) angekrochen und haben an meinen 2 Gehknochen gerochen – alles blieb heil, nix gebrochen!
Alles Käse? Seltsam, aber so steht es geschrieben!
Nun bin ich doch alleine von Broome aus „runter“ losgefahren. Da es in Broome mit ca. 40 Grad Hitze und einer Luftfeuchtigkeit, die fast Unterwasserzustände ähnelt, viel zu unangenehm ist, sind die meisten Reisenden abgereist … Reisende soll man bekanntlicherweise ja nicht aufhalten!
Die wenigen, die geblieben sind, arbeiten fest in der Stadt und bleiben erstmal dort.
Lange Zeilen, kurzer Sinn: Ich habe keine Mitreisende gefunden, habe mein Magic Bus gepackt und mich auf die Reise gemacht. Nun weiß ich, was die Westküste ausmacht: noch unendlichere (?) Straßen und Weiten. Noch leerere Ebenen und verlassene Gegenden … faszinierend! Die Nächte verbringe ich meistens an sogenannten 24h-Stops: Restareas mit meistens Toiletten oft eingebettet in schöner Natur … manchmal war es so schön, dass ich bei geöffneter Tür auf der Toilette saß!
Oder ich fahre mit meinem Bus einfach links in eine kleine Dirtroad rein, schaue, wohin sie führt und bleibe nach Zufallsprinzip „Randomstay“ stehen. Letztens stand ich im Outback und habe Jazz zum Abendbrot gehört! „Guck mal – da steht einer im Outback und hört Jazz!“
Die Luftfeuchtigkeit nahm mit den Tagen und südlicheren Kilometern langsam ab und die Temperaturen wurden wieder erträglich.
Mein erstes größeres Ziel war das „Cape Keraudren Nature Reserve“ – ein kleiner Nationalpark am indischen Ocean gelegen auf auf einem Jahrmillionen alten Korallenriff. Mit mir waren 5 andere Leute im Park – No Season, no people … (übrigens hat sich gerade ein Kangaroo 2 Meter von mir in den Schatten meiner Picnicbank gelegt – ich glaube, es gibt Kangaroo heut‘ Abend!) Die Strände waren zerfetzt von versteinerten Korallenriffen, welche aus dem Boden hervortraten – Jurassic Klosterpark!
Von da aus weiter und noch am gleichen Tag am berühmten 80 Miles Beach gelandet. Angeblich 80 Meilen weißester Sandstrand. Da der Strand ja so berühmt ist, stellt man sich vor, dass man auf eine Schar von Menschen trifft … aber nein: Man fährt 10 Kilometer Dirtroad von der Highway aus und landet auf einem kleinen Campingplatz mitten im Nichts. Hinter den Dünen tut sich dann der Strand auf. Und genau so, wie man ihn sich vorgestellt hat: Weiß, weit und leer!
Am Strand überall riesige Schleppspuren der Riesenschildkröten, welche gerade Brutzeit haben und sich, und ihre Eier, nachts den Strand hinaufschleppen und diese im warmen Sand vergraben.
Ein absolutes Kiterparadies – 80 Meilen Flachwasser und feinster Sandstrand. Später erfuhr ich, dass es wahrscheinlich meine letzte Kitefahrt gewesen wäre: Durch die Anwesenheit der Schildkröten, treiben sich Haie im Flachwasser herum und knabbern gern‘ mal an Kiter-Knöcheln. Gut, dass ich das nach einigen Schwimmeinlagen erst erfahren habe :-) Aber an leeren Stränden, kann man ja auch keine Warnschilder erwarten!
Auf dem Rückweg zur Highway traf ich Michael wieder – einen englischen Soldaten, den ich mal in Darwin kennen gelernt habe. Er reist durch Australien mit seiner Harley (Marno: Reisegefährte?) und hatte sogar einige Jahre in Celle gedient! Dieser schimpfte nur über die Dirtroad – kam mit dem Bike nicht so richtig voran.
Nun dachte ich mir – ok, bald kommt Port Hedland – mal sehen, was da so mit Mitreisenden ist. Immerhin hat die Stadt ca. 15.000 Einwohner. Ich fuhr also die Great Northern Highway weiter entlang, und hörte Heavy Metall, da Port Hedland vom Eisenerz lebt. Zuerst dachte ich, das Licht sei so komisch, so braun sieht alles aus. Meine Brille mit bräunlichem Glas spielt mir wohl einen Streich! Also Brille abgesetzt und eine Stadt unter Staub gesehen. Die ganze Stadt ist von einem leichten braunen Staub überzogen. Gleich neben der Stadt, in Sichtweite der Arbeiterhäuser, ist der Eisenkonzern (PHP), der Unmengen Eisenerz von hier aus verschifft. Das Eisenerz wird in Massen aus Newman mit kilometerlangen Zügen herangekarrt und auf Schiffe verladen, die es dann meistens Richtung Asien schiffen.
Die ganze Bevölkerung arbeitet direkt oder indirekt für die Eisenkonzerne. Dementsprechend fahren alle weiße Allrad-Toyotas mit Blinklicht und einer Fahne mit Firmenlogo – alles Firmenfahrzeuge. Und alle laufen in den gleichen Arbeiterklamotten herum. Mit normaler Kleidung ist man in den Straßen ein Außenseiter. Ich zog also meine eiserne Ritterrüstung an, um nicht weiter aufzufallen!
Auf der Suche nach den 2 Backpacker-Unterkünfte wurde ich enttäuscht: Wurden beide von den Eisenkonzernen aufgekauft für Arbeiterunterkünfte. Und als ich dann die Preise des Campingplatzes hörte: 30$ für einen Zeltplatz / 50$ für Stellplatz, bin ich ganz schnell wieder abgereist. Port Hedland war sowieso hässlich. Eine reine Industriestadt ohne Flair und Seele. (Das Kangaroo ist eingeschlafen … ich mach‘ schon mal Olivenöl in der Pfanne heiß…)