Monthly Archive for Mai, 2008

Gigantische 35 Tage …

… mußten wir warten, bis wir mal wieder unter guten Bedingungen das nasse Element befahren konnten:
Wir haben letzte Woche ein 2-Köpfiges Gremium zusammengrufen um über unsere Reisezukunft zu entscheiden. Das Wetter in der Gegend um Albany war, ist und wurde nicht besser. Nur schlechtes war für die nächste Woche zu lesen. Somit entschlossen wir uns unserer Südreise abzubrechen und den Reiskompass richtung Norden zu schwenken.
Also am Samstag auf die nasse Fahrbahn geschwungen und in einem Stück Richtung Perth bis nach Secret Harbour gefahren. Dort haben wir unsere Surfbretter nochmals auf Herz und Nieren geprüft. Als wir in Secret Harbour ankamen schien die Sonne und keine Wolke war zu sehen!!!! Die Sonne ging unter, als wir vom Wasser kamen (die Spitzenjagtzeit der Haie begann).
Unsere Wege trennten sich dann für 4 Tage, bis wir wieder zusammenkamen und den Rest der Reise anzutreten.
Nun sitzen wir mit warmen vollen Bäuchen im Bus unter (fast) wolkenlosem Himmel in Cervantes und haben einen schönen Kitetag hinter uns. Die „Hangoverbay“ war das Revier unserer Wahl.
Ich hatte mal in meinem Tagebuch geblättert: Am 23. Dezember 2007 hatte ich diesen Ort schon einmal besucht. Hier hat sich einiges verändert: Das Wetter ist kälter, die See ist rauher und die Touristen sind weniger geworden. Um so mehr Platz für uns! Den Wind haben wir gefunden und das ist auch gut so!
Mathias hat sich mit Muskelkater schlafen gelegt und ich tippe Tage.

Das Kreuz des Südens ist, wo es sein soll und der Sandmann weht weißen Strandsand umher … gute Nacht.
N&M

Gigantisch mutig

Wir haben uns, mutig wie wir sind, nach Albany aufgemacht um auch mal in den Genuss eines Lichtspielhauses zu kommen. Kinosaal als Regenschutz und Fortbildung zum Thema feinstes amerikanisches Popcornactionkino … IronMan wurde gezeigt! :-D

Die Haiattacke vor 3 Tagen steckt der ganzen Stadt (und uns) noch in den Knochen. Der Strand (Middelton Beach) des Geschehens wurde abgesperrt und keine Menschseele war auf dem Wasser zu sehen (es war aber auch eh zu kalt und zu nass). Vorgestern wurde die Suche nach den Haien eingestellt, da das Wetter zu schlecht wurde. Der Plan der Stadt war es, die Haie aus der Bucht in das offene Meer zu hinauszutreiben. Gestern Nacht wurden wir von herrlichen Winden durchgeschüttelt, saßen im Bus und schauten uns schöne Kitesurffilme an, welche Mathias gefilmt und geschnitten hatte. Wir hatten es satt im Regen und windlos herumzusitzen und wogen unsere Risiken ab, am nächsten Morgen Kiten zu gehen. Ist der Hai noch da? Mag er deutsche Menschenschenkel? Sind wir Lebensmüde?
Also tigerten wir heute Morgen zur Western Australian Fischerei-Behörde, die Zuständig für die Suchaktionen der letzten Tage war / ist. Die Haie wurden nicht mehr gesichtet (wetterbedingt), „Haie gibt es hier ja sowieso“. „It‘s your own Risk“. Also Nahmen wird das Risiko an die Hand und suchten uns einen schönen Kitespot. Wir fanden ihn in der Victoria Harbour Bay: In einer Bucht, welche nur eine kleine Verbindung zum Meer hatte und somit kein weit offenes Tor für unerwünschte Meerebewohner darbietet. Der Wind war sehr böig – aber er war da und das Wasser war sehr weit stehtief (Loissin-Style – die Ostsee lässt grüßen) … wir hätten also im Notfall wegrennen können! Somit sind wir endlich nach langer Zeit auf‘s Wasser gekommen, wurden nicht verspeist und Mathias hat all‘seine Tricks vergessen und muß wieder bei null anfangen ;-)

Wir sind nun seit 10 Tagen unterwegs – die Bärte sind 10 Tage alt, werden von Tag zu Tag länger und werden seit 10 Tagen vom Wetter stark beeinflußt. Wir haben / hatten viel Regen, wenig Wind und es ist kalt! Wir gerne würden wir deutsche Temperaturen genießen können. Die Idee, gen Norden zu fahren, um wenigstens Sonne und somit Wärme zu bekommen, kristallisiert sich immer weiter heraus. Eine Kompletttrocknung des Busses wäre auch für unsere Gesundheit nicht verkehrt – die rasselnden Lungen werden‘s uns danken!

„Ist nicht alles geil, was glänzt“. Aber es gehört nunmal zu unserem Adventurepaket, welches wir gebucht haben, dazu! :-)
Wir haben für heute Nacht einen schönen Platz hinter Dünen gefunden, ein amerikanisches schnellnahrungsmal wärmt unsere Bäuche … und da kommt auch schon wieder Kumpel Regen zu Besuch.

Gute Nacht.
N+M

Nachtrag:
Wie Klaus schon in seinem Komentar angab – die Haiattacke von Middleton Beach hat es sogar bis in die Archive von spiegelonline.de geschafft: http://www.spiegel.de/video/video-30335.html

White Giants

Wir haben unser perfektes Surfrevier gefunden: Denmark ist eine kleine schnuckelige Kleinstadt an einer sehr schön rauhen Küste. Wenn man die Augen zukneift und etwas den Kopf schüttelt, könnte man auch in Norwegen, Schweden oder sogar Dänemark sein. Ab und zu tun sich Buchten mit herrlichen Sandtränden auf, die den Swell einladen sein unwesen zu treiben. Auf diesen Wellen arbeiten wir an unserer Wellenreiterkarriere. Erste Steherfolge können wir schon verbuchen, wobei Mathias als professioneller Brettkünstler zugegebenermaßen mir Wellen voraus ist! Leider (wiegesagt) weht der nur in den Wipfeln und nicht auf dem Wasser. Unser Schlafplatz gestern war auf einem Lookout ca. 60 Meter über der Stadt. Als morgens Böen unseren Bus durchrüttelten rannten wir wie augehungerte Hunde herunter zum hiesigen Wasserloch mit „zeh“tiefem Wasser. Da der Wind auf dem Meer ablandig war, wichen wir auf Brackwasser aus. Schuß inn‘ Ofen: Der Wind ließ nach und wir entschlossen uns dann doch für leichtes Kulturprogramm in der Stadt inklusive Meatpies und Cafe.
Nachmittags warfen wir uns wieder in die Brandung. Da hier ja die Saison vorbei ist (der Winter steht ja bevor), sind die Strände schön leer und keiner kann uns auslachen. Aber dafür kommen wir immer mit einem breiten Grinsen vom Wasser! :-)

Das Grinsen verging uns dann aber doch am Ende des Tages
(Achtung an alle Mütter … ab hier bitte nicht weiterlesen):
Nach unserer Session standen wir noch am Strand herum und beobachteten eine Gruppe junger Kids (ca. 7 Jahre), die gerade sehr erfolgreich mit ihrem hiesigen Surflehrer eine Welle nach der Anderen „abritten“. Ein Australier stellte sich neben uns, schaute auf die junge Schar und meinte nur „lot‘s of sharkbait“ (einiges an Haifutter dort unten). Er erzählte uns, daß gestern in Albany – eine Bucht weiter ca. 40 Kilometer entfernt – ein Weißer Hai einen Surfer angegriffen hat und zwei mal in‘s Bein biss. Der Verletzte konnte sich schwimmend an Land retten. Der hungrige Hai jedoch schwamm auf zwei weitere Surfer zu, welche ihn aber mit Füßtritten in die Ferne vertreiben konnten.
Wie ich gerade beim Verlinken zu dem Artikel lese, hat sich die Geschichte etwas anders zugetragen. Ich lasse meine Version hier so stehen – die „wahre Version“ ist aber nicht weniger schockierender!
Das große leidige Thema, welches sich beißt: Surfer und Haie – eine zweifelshafte Beziehung!
Wir befinden uns nunmal in Haigebiet und dringen täglich in dies ein. Von den vielen verschiedenen Haiarten hier sind die wenigsten gefährlich. Der Weiße Hai und die sogenannten Bullsharks (Bullenhaie) machen da leider eine Ausnahme. Wir wissen, daß Haie anwesend sind, sie jedoch normaler Weise nicht auf Menschen Jagd machen. Oftmals sind es Fehlbisse … wir schmecken ihnen einfach nicht.
Wir haben beim Kitesurfen in Perth und Umgebung schon einige male „Sharksightings“ mitbekommen. Die Leute kommen dann vom Wasser, gehen aber nach einiger Zeit wieder hinein. Und wir auch! Das gehört zum Leben hier dazu. Ich will ja nicht wissen, wieviele Haie einfach mal um uns, ohne unser Wissen, umherschwammen. Wenn man die hiesigen Leute fragt: „Are there sharks here in the water“? Die Antwort wird immer „Yes“ sein.
Aber an der Gruppe surfender Kinder einen Tag später später sieht man, daß es wenige abhält normal weiterzuleben. Und uns auch!

Aber dafür stehen wir mit unserem Bus auf einem Berg unter dem Southern Cross, essen selbstgefangen Fisch, genießen unsere temporäre Unabhängigkeit, tippen auf unsere LabTops die Ereignisse unserer Reise, mit Blick auf die große mondbeleuchtete Bucht und beschmeißen den Hai mit Bierflaschen. ;-)

Es ist 21uhr14 und wir betten uns gleich in unsere Kojen!

Gut dem Dinge und gute Nacht!
Nikolaus und Mathias.

Ach ja – und wer sehen will, wie der Mathias die Sache so sieht, klickt hier.

Climbing Giants

Nun haben wir das Land der Riesenwellen hinter uns gelassen und neue Riesen gefunden: Ab Port Augusta beginnt nämlich das Land der Riesenbäume – die sogenannten Tingle-Trees. Eine Eucalyptusart, die sehr sehr alt und sehr sehr hoch wächst. 60 Meter sind keine Seltenheit … size matters!
Da es heute den ganzen Tag regnete, sind wir weiter die Küste entglang gefahren und in Walpole angekommen. Walpoes Hauptattraktion ist ist der berühmte „Treetop-Walk“. Über eine Rampe gelangt man in die Baumkronen in 40 Meter höhe und kann dann auf dem Dach der Welt spazieren gehen. Das haben wir uns für morgen vorgenommen.
… und da habe ich schon was vorbereitet: Der Treetop-Walk (heute) war absolut top! Und dort fanden wir auch den Wind – aber leider auch nur dort, und Treekitesurfing war leider strengstens untersagt!
Alles hier in der Gegend dreht sich um die Bäume. Als großer Twin Peaks-Fan fühlte ich mich wohl und genoss es im Unterholz mein Unwesen zu treiben. „Break the code – solve the crime“ & „In a town like Walpole no one is innocent“.

Riding Giants

Nun sind wir auf Tour! Mein fahrender Turnschuh ist mal wieder Bett und Herd für einige Zeit! Und das ist auch gut so!
Wir sind voll beladen in Fremantle (Perth) losgefahren Richtung Margaret River. Margaret River ist für große Wellen, Wein, Wind und Gesang bekannt. Die Wellen sind groß, der Wein hängt in der Traube, der Wind ist nicht anwesend und vom Gesang haber ich noch nichts gehört.
Die Landschaft hat sich in den letzten 400 Kilometern komplett geändert: Viele Hügel, weite grüne Felder und üppige dichte Wälder! Gut dem Dinge!
Da wiegesagt der Wind woanders weht, haben wir uns (wie soll es auch anders sein) Surfbretter gekauft – nun können wir mit den Kelly Slaters und Robbie Naishs mithalten und klug-snackend am Strand stehen. Seit ca. 6 Stunden sind wir surfer – Mathias hat eine leichte Gehirnerschütterung und ich suche noch den friedlichen Sinn des Surfens. Die Leine hat sich um meinen Hals gewickelt, ich habe das Brett „vor‘n Kopf bekommen“, unterwasser den Strand geküsst und wurde etliche Male durch die Wellenschleuder gespült. Mit anderen Worten: Herrlichst anstengend! Es ist nicht einfach Anfängerwellen zu finden – man kann hier überall wunderbar surfen – wenn man‘s kann :-)

So – nun müssen wir wieder unseren Bretter Wachsen … natürlich mit Sexwax! Bilder der Gegend und Wellen gibt‘s hier!
Nikolaus